Den Landtag besucht

Veröffentlicht am 30.01.2016, 11:58

Den Landtag besucht

<cdl> Kurz vor dem Ende der aktuellen Legislaturperiode des sachsen-anhaltischen Landtages hatten Kinder und Jugendliche aus dem Jugendclub Hohenwarthe die Möglichkeit, sich im hohen Haus umzusehen und mit einem echten Parlamentarier über ihre Probleme und Sorgen zu sprechen.
Initiiert und eingeladen zum Besuch in Magdeburg, hatte der Landtagsabgeordnete Markus Kurze, der das Angebot zu einem Besuch wiederholt an den Jugendclub Hohenwarthe herantrug, in dem er selbst einst als Erzieher und Jugendbetreuer tätig war.
Neun Mädchen und Jungen im Alter von elf bis 15 Jahren, begleitet von den Jugendclubleitern René Ostherren und Mathias Fricke sowie zwei Jugendbetreuern, machten sich sodann von Möser aus auf den Weg in die Landeshauptstadt. Hier hieß es zunächst Parkplatzsuche zwischen zwei altehrwürdigen Gebäuden. Am Magdeburger Dom wurden die beiden Fahrer fündig und so blieb bis zum vereinbarten Termin noch Zeit für ein Gruppenfoto vor dem Landtag.
Windig war es und alle hatte die Absicht, nur schnell in das Landtagsgebäude hinein zu kommen. Entsprechend stürmisch betraten sie dieses dann auch und wurden sogleich von einem grimmig schauenden und gut gekleideten Herrn empfangen. Eine Autorität, die auch von der Besuchergruppe als solche wahrgenommen wurde. Rumalbern war strengstens untersagt – Ruhe war oberstes Gebot. Nachdem Jaqueline Drewes, Markus Kurzes Mitarbeiterin, die Gruppe empfangen hatte, hieß es zunächst einmal Taschenkontrolle. Sicherheit wird im Landtag groß geschrieben, ebenso wie die Kleiderordnung, das erfuhren die Jugendclubmitglieder aber später. Jetzt hieß es aber erstmal ab zur Garderobe um die Jacken abzulegen und dann weiter, quer durch ein bauliches Labyrinth von Fluren und Treppen. Sich im Landtagesgebäude zurecht zu finden, dafür brauchen selbst Angestellte und Parlamentarier bis zu sechs Monaten, erklärte Jaqueline Drewes und das konnten auch die Kinder und Jugendlichen selbst erleben. Der Weg zur Zuschauertribüne über dem Plenarsaal, in dem gerade die letzte Landtagssitzung vor den Landtagswahlen stattfand, war bestenfalls stückweise zu merken. Nur gut, dass mit Jaqueline Drewes eine erfahrene Führerin bei der Gruppe war. Auf der Zuschauertribüne angekommen, fiel den Hohenwarther Jugendclubmitgliedern sofort etwas auf.

Nicht alle Parlamentarier saßen auf ihren Plätzen, als es in einer Debatte und späteren Abstimmung um das Berufsanerkennungsgesetz und einen Untersuchungsbericht des Untersuchungsausschusses zu Aufklärung von unrechtmäßigen Vergaben von Aufträgen an Unternehmen durch Mitglieder des Landtages ging, aber alle hatten einen Anzug an. Warum das so ist erklärte einer der Parlamentsdiener, der berichtete, dass für die Herren Abgeordneten die Anzug- bzw. Jacketpflicht gilt. Nur die Damen dürfen es etwas legerer halten. Von hier oben schnell ein Erinnerungsfoto zu machen, das war leider auch nicht drin. Dafür sorgen zwei Herren, die die Zuschauer stets im Blick behielten. Wer sich nicht an das Fotografierverbot hielt, der musste die Ränge verlassen, auch das erlebten die Kinder und Jugendlichen bei ihrem halbstündigen Besuch der Landtagssitzung. Spätestens als Markus Kurze aus dem Plenarsaal nach oben in Richtung der Hohenwarther Besuchergruppe winkte, da schien plötzlich die Debatte unten im Plenarsaal für einige wirklich spannend zu sein. Schade nur, dass da die geplante Zeit schon vorüber war und Jaqueline Drewes zu einer Führung durch das Haus bat. Hierbei trafen die Jugendclubmitglieder auch auf den Gastgeber, Markus Kurze, der alle persönlich mit Handschlag begrüßte und dann an einer großen Sachsen-Anhalt-Karte die Geschichte des Landes erläuterte. Wie es der Zufall so wollte, durften die Mädchen und Jungen auch noch Sozialminister Norbert Bischoff und den Landtagspräsidenten Dieter Steinecke kennenlernen. Beide nahmen sich einige Minuten Zeit für die Besuchergruppe und für ihren Kollegen Kurze. Da wurde dann schon mal getuschelt. Einen echten Minister zu treffen, das passiert auch nicht jeden Tag. Als letzte Station stand dann das persönliche Gespräch mit Markus Kurze auf dem Programm. Im Fraktionszimmer standen belegte Brötchen, Getränke und kleine Werbematerialien bereit. Gleichzeit wurden über Lautsprechern die aktuellen Reden der Abgeordneten im Plenarsaal übertragen. Markus Kurze erklärte deshalb auf Nachfrage: „Viele Abgeordnet haben, so wie ich auch, Besuchergruppen hier oder treffen sich während der Landtagssitzung, die schon mal bis 22 Uhr gehen, kann mit Fraktionskollegen, Ministern oder Mitarbeitern des wissenschaftlichen Dienstes.

Um aber stets auf dem Laufenden zu bleiben, ist im ganzen Haus -  in den Räumen der Abgeordneten und Fraktionen - die aktuelle Debatte aus dem Landtag zu hören.“ So erklärte sich dann auch, warum so wenige Abgeordnete im Plenarsaal anwesend waren, als die Gruppe auf der Zuschauertribüne saß. Die Aufgaben des Abgeordneten, so Kurze, sind mannigfaltig und umfassen mehr als die Parlamentssitzungen selbst. Nachdem er seinen beruflichen und politischen Werdegang erläutert hatte und dabei erklärte, dass er selbst einst als Erzieher und Betreuer im Jugendclub Hohenwarthe tätig war, da hatte er die volle Aufmerksamkeit aller. So nahm sich der Abgeordnete Kurze noch die Zeit, wie in seinem Bürgerbüro, auf die, auf Zetteln notierten, Fragen und Sorgen der Kinder einzugehen. Paul beispielsweise wollte wissen, warum Ferienarbeit erst ab dem 16. Lebensjahr möglich ist und nicht schon ab dem 14. Diese Frage fand auch Kurze interessant und versprach, sich darüber zu erkundigen und eventuell auch politisch zu kümmern. Jan fragte sich, warum seine Grundschule so wenig Bastelmaterial im Hort hat und wollte hier Unterstützung. Tess, Debby und Lea beschäftigte die schlechte Finanzierung der Jugendfeuerwehren und sie baten hier um Abhilfe. In beiden Fällen, so versicherte der Landtagsabgeordnete Kurze, wolle er sich mit dem zuständigen Bürgermeister für die Grundschule und dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises für die Jugendfeuerwehren unterhalten. Als letztes hatte Betreuerin Vanessa ein spezielles Anliegen. Sie fragte sich, warum die Ausbildung zum Sozialassistenten oder Erzieher nicht vergütet wird, wie eine Duale-Ausbildung. Das verstand Kurze auch nicht, der sagte: „Es ist nur richtig, dass Arbeit auch bezahlt wird.“ Speziell diesen Punkt will er nun sogar mitnehmen in mögliche Koalitionsverhandlungen wie er versicherte. Nach vier Stunden Landtag und Politik ging es dann in der Abenddämmerung wieder nachhause. Den Kindern und Jugendlichen hat der Ausflug in den Landtag jedenfalls gefallen, denn hier und da war zu hören: „Politik ist gar nicht so schlecht, wenn man etwas bewegen will.“ Kein Wunder also, dass sich ein Großteil nun für die Mitarbeit in der Kinder- und Jugendvertretung der Gemeinde Möser interessiert. 

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