Der "Alte Fritz" in Körbelitz – Mann, war das ein Fest

Veröffentlicht am 04.06.2012, 16:32

Erst ein Konzert, dann der Umzug

Los ging es bereits am Freitag (2. Juni 2012) mit einem Konzert in der Körbelitzer Kirche, bei dem Kompositionen von Friedrich des Großen zu hören waren.
Am Sonnabend begrüßte Bürgermeister Eckhard Brandt am Denkmal des "Alten Fritz" nicht nur den Preußenkönig (dargestellt von Detlef Wagner, hoch zu Ross auf einem Schimmel), seinen Adjudanten und die Hofdamen, sondern auch zahlreiche Gäste aus nah und fern, die zum Feiern gekommen sind. Der lange Festzug führt zum Dorfplatz, auf dem das große Fest stattfindet: Nach einer Laudatio von Oberst a.D. Ulrich Kleyser, der das Leben des  Feldherrn, Monarchen, Musiker, Komponisten und Aufklärer darstellte, gab es kleine und größere Darbietungen der Körbelitzer Vereine:    

Tanz, Gesang und Laudatio

Der Gemischte Chor des Körbelitzer Seniorenklubs trat auf, zwei Kinder der Familie Winkler überraschten mit einem kleinen Flötenkonzert.. Mit einem Kremser konnten Gäste aufs einstige Manöverfeld fahren. Hier fanden alljährlich die großen Militärparaden statt, deretwegen der "Alte Fritz" immer nach Körbelitz kam. Damals wurde extra ein Hügel – der Schanzenberg – zur Beobachtung der Revuen angelegt. Gerade erst wurden hier 300 Maulbeerbäume zur Erinnerung an den Preußenkönig gepflanzt und während der Trockenheit in Privatinitiative auch ordentlich gewässert.
Alles auf dem Platz erinnerte irgendwie an die Zeit des Preußenkönigs: Neben deftigem Wildschwein wurden auch Kartoffeln mit Quark angeboten - der Alte Fritz hatte die Erdäpfel in unsere Region gebracht.
Etwas abseits von den Festzelten hatte die 6-pfündige Fußbatterie der brandenburgischen Artilleriebrigade ihre Zelte aufgeschlagen und erklärte allen Zuschauern bereitwillig, wie eine Kanone funktioniert, wie die Übernachtung organisiert wurde. Oder, was ein Soldat unter seiner Mütze verbarg.

Laute Kanonen weckten Körbelitz

Am Sonntagmorgen wurde Körbelitz mit "Kanonengebell" geweckt. Bürgermeister Eckhard Brandt sagte www.gemeinde-moeser.de: "Ich war schon auf und zum Festplatz geeilt. Aber als mich die Schützen sahen, riefen sie: "Scher Dich wieder ins Bett, wir sollen Dich doch wecken...".
Eckhardt Brandt kam dieser Aufforderung natürlich sofort nach und verschwand in seinem Haus, wartete geduldig bis es knallte und der Ruf "Bürgermeister aufstehen..." erschallte.
Der erste Höhepunkt an diesem Vormittag war der Erinnerungsvortrag von Oberstleutnant a.d. Hans Ulrich Bossert, der mit umfangreichem Bildmaterial und humoristischen Einlagen das Leben des „Alten Fritz“ würdigte. Beim Frühschoppen mit der Blaskapelle Hohenwarthe gingen dann die Erinnerungen an die Zeit des Preußenkönigs und seiner zahlreichen Errungenschaften weiter: „Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, zog Eckard Brandt am späten Sonntagabend Bilanz: „Als ich am Sonnabend am Denkmal stand und sah, wie viele Menschen nach Körbelitz gekommen waren, um mit uns den „Alten Fritz“ zu feiern, war ich erleichtert und glücklich. Im Vorfeld ist es immer schwierig zu beurteilen, ob so eine Veranstaltung angenommen wird. Aber es hat geklappt.“
Dann wird er nachdenklich und sagt: „Es gibt so viele, bei denen ich mich bedanken möchte. Die Hauptinitiatoren sind der Heimatverein und die Freiwillige Feuerwehr gewesen. Aber ohne die vielen anderen Helfer und Sponsoren hätte dieses Fest nicht stattfinden können.“
Und, ist in diesem Jahr noch einmal ein Fest rund um den „Alten Fritz“ geplant? Eckardt Brandt: „Nein. Aber es gibt noch viele Veranstaltungen, die einen Besuch in Körbelitz lohnenswert machen.“

Exklusiv-Interview mit dem "Alten Fritz"

Volksstimme-Redakteur Thomas Rauwald sprach am Rande des Festgeschehens mit dem „Alten Fritz“ (Detlef Wagner) über Körbelitz, über Auffälligkeiten und Besonderheiten und einen 62. Geburtstag. Das  Interview ist so nett und informativ, dass wir es hier komplett veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen:

Euer Hoheit, König von Preußen, seit rund 250 Jahren seid Ihr nicht mehr in Körbelitz gewesen. Habt Ihr den Ort wiedererkannt?

Viele dutzende Male war ich, nachdem ich 1740 preußischer König geworden war, in diesem Orte, um zu schauen, ob meine Magdeburger Heere auch in einem guten Zustand wären, und nahm hier Quartier. Wie sollte ich das vergessen! Selbst meine einstige Unterkunft steht noch stolz und gepflegt an gleicher Stelle. Statt der kleinen Bauernkaten von einst gibt es jetzt feste, schöne Häuser fürs Volk. Und schwarze Straßen. Die sandigen Landwege von damals waren zwar besser für die Rösser, aber heute bewegt man sich wohl in diesen blechernen Gehäusen mit Gummirädern von Ort zu Ort, die überall am Straßenrand stehen.

Hätten Sie, Hoheit, gedacht, dass Ihre Person noch immer bei den Körbelitzer bekannt ist und dass Sie hier verehrt werden?

Es muss wohl so sein, denn das Volke hat mich heute löblich willkommen geheißen und mir zugejubelt. Das war wie vor 250 Jahren ein erhebendes und mich im Herzen bewegendes Gefühl. Ich danke dem Volk.

Ist Ihnen, Hoheit, in Ihrem Königssitz in Potsdam Sanssouci die Nachricht zugetragen worden, dass in Körbelitz kürzlich 300 Maulbeerbäume und auch Obstbäume gepflanzt worden sind?

Sehr wohl und sehr löblich ist‘s, dass meine Ideen von einst nicht vergessen sind. Mit dem Laub der Maulbeerbäume sind Seidenspinnen gezüchtet worden. Die Pracht der Kleider meiner Hofdamen, die mich begleiten, zeugen von der Kunst deutscher Seidenmacherei. Doch es ist auch wichtig, dass das Volk nicht Hungers leidet. Obstbäume sind gut. Doch unterwegs und auch hier bemerkte ich nur wenige Kartoffelfelder. Ich habe nur Biogasfutter gesehen ...

Hätten Sie noch eine Botschaft an die Körbelitzer?

Ich hörte, dass der Amtmann Brandt heute Geburtstag hat, dazu meinen Glückwunsch. Es scheint ein wackerer Mann zu sein, der sein Dorf und seine Pferde in festen Zügeln hält. Dem Dorf und seinem Vorsteher sei das Glück auch weiterhin gewogen.
Natürlich wünscht auch www.gemeinde-moeser.de ganz herzlich nachträglich alles Gute zum Geburtstag und hofft, dass Eckard Brandt noch viele Jahre in Diensten von "Körbelitz und dem Alten Fritz bleibt..."

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