Elbe-Renaturierung: Unendliche Schlamm-Massen müssen beseitigt werden

Veröffentlicht am 10.07.2012, 12:22

Der Fluß soll wieder fließen

„Wir möchten erreichen, dass die Alte Elbe in unserem Gebiet nicht zu einem Mückengewässer wird, sondern der alte Naturzustand wiedergehergestellt wird, damit der Fluß wieder fließen kann", sagte Hartmut Dehne, der in seiner Eigenschaft als CDU-Ortsverbandsvorsitzender zu der Wanderung eingeladen hatte.   
Seit über sieben Jahren engagieren sich zahlreiche Lostauer und viele Unterstützer, damit dieses ehrgeizige Ziel endlich verwirklich wird. Deshalb war das Interesse an der Exkursion auch sehr groß und so kam es, dass nicht nur Lostauer,sondern auch viele Neugierige aus anderen Orten an der interessanten Führung teilnahmen.
Jetzt sollen in wenigen Wochen die Arbeiten beginnen. Dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Entschlammung des Lostauer Sees, wie die Fläche der Alten Elbe auch bezeichnet wird. Auf dem Grund des Sees lagert eine dicke Schicht (Stärke: 0,50 bis 1,50 Meter) Faulschlamm - nach Schätzungen der Experten rund 145.000 Kubikmeter.

 

Der Schlamm soll "ausbluten"

Zum Vergleich: Die Wasserdicke beträgt in diesem Gebiet lediglich 40 bis 60 Zentimeter. Insgesamt gehen die Fachleute davon aus, dass aus dem gesamten betroffenen Bereich der Alten Elbe ca. 164.000 Kubikmeter Schlamm rausgebaggert werden müssen.
Anhand von zahlreichen Informationstafeln, die Günter Lauenroth auf enem Hänger mitgebracht hatten, erläutetren die experten nicht nur die Vorgehensweise sondern auch den Ist-Zustand des Gebietes. So führte Karl-Heinz Jährling vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, aus, dass er fest davon überzeugt ist, dass durch die Renaturierung der Fischbestand hier wieder deutlich ansteigen wird.
Als positives Beispiel führte er die Maßnahmen im Bereich Gerwisch an. Hier wurde bewiesen, dass
frisches Fließwasser mit ausreichend Sauerstoff auch Fischevielfalt garantiert. "Außerdem wird auf diese Weise auch die drohende Verschlammung des Gewässers gestoppt." Verständlich, dass das gut 4,3 Millionen Euro teure Vorzeige-Projekt überall auf großes Wohlwollen stößt. Naturfreunde und Umweltschützer sind begeistert, weil – wie es einst die Natur eingerichtet hatte – die Ehle wieder durch die Alte Elbe fließen wird.

Neuer Graben soll Ehle und Alte Elbe verbinden

Zur Erinnerung: Als Ende des 19. Jahrhunderts das Pretziener Wehr und  der Elbe-Umflutkanal gebaut wurden, wurde bei Lostau der Ehlekanal angelegt, der das Ehlewasser direkt zur Elbe führt. Die Alte Elbe war abgeschnitten worden. Nun soll im alten Bett der Ehle, das durch Senken und Mulden noch gut erkennbar ist, ein neuer, rund 900 Meter langer Graben geformt werden, der die Ehle mit der Alten Elbe verbindet. Die Renaturierung bei Lostau gilt deutschlandweit als ein ökologisch äußerst beachtenswertes Vorhaben, das auf der Prioritätenliste einen der obersten Plätze belegt und mit EU-Mitteln finanziert wird.
Auf der Wanderung erläuterte Planer Konrad Spiegel ausführlich, wie die Entschlammung abläuft. Zuerst wird ein Stauwerk abgebrochen, das von Anglern 1969 am Auslauf der Alten Elbe errichtet wurde, um den Wasserstand um rund 20 Zentimeter anzuheben. Wenn der der Lostauer See leergelaufen ist, wird er abgefischt. Seitlich des Sees wird eine Laichfläche entstehen. Und quer durch den trockenen See werden alle 40 Meter Wälle aufgeschüttet. Von hier holen dann die  Langarmbagger den Schlamm vom Grund des Sees nach oben.  
Das Material wird zum zum Trocknen (die Fachleute nennen diesen Vorgang "Ausbluten") an den Seiten gelagert und später fachgerecht entsorgt.
Zur Beruhigung der Lostauer konnte Konrad Spiegler dann zusagen, dass es "keinen Schlammtransport durch den Ort geben wird". Nicht ausgeschlossen werden kann allerdings, ob der Transport über den vorderen Teil des Elberadweges und gegebenenfalls über den Alte Ziegelei und den Betonplattenweg nach Gerwisch läuft. Bauamtsleiter Hartmut Dehne: "Da laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Endgültige Entschedungen wird es in den kommenden Wochen geben"

Brücke kommt von Lotto Toto

Später muss auch eine 16 Meter lange Brücke zwischen der Ehle und der neuen Verbindung zur Alten Elbe gebaut werden. Diese wird von  Lotto Toto finanziert.
Nachdem sämtliche Verträge unterzeichnet wurden, laufen nun die Ausschreibungen für die einzelnen Bauphasen. Dazu sagt Hartmut Dehne:"Die Arbeiten müssen im nächsten Jahr abgeschlossen und abgerechnet sein,da sonst keine Gelder fließen." Interessant: Das Projekt wird zu hundert Prozent von der EU finanziert - Land und Gemeinde sind nicht beteiligt. Träger für das gesamte Vorhaben ist der Unterhaltungsverband Ehle/Ihle.
Abgeschlossen werden konnte mittlerweile ein Teilobjekt der Renaturierung: Die Öffnung der sogenannten Hakenbuhne an der Elbe. Durch sie fließt nun wieder Wasser. Sie soll nun Laichplatz für den Stör dienen, der dann vielleicht wieder in der Elbe heimisch wird.

Hier noch einmal eine Karte, die das ganze Projekt verdeutlicht

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