Gedenkstätte Schacht: Erinnern nicht sühnen

Veröffentlicht am 29.02.2012, 08:32

Widerspruch gegen Beschreibung

Bereits vor einem Jahr hatte Helmut Menzel in dem Vortrag die Meinung vertreten, dass die „Gedenkstätte kaum zugänglich ist, da die Kiesgrube von der Firma  Gotzel genutzt wird und ein 1996 zugesicherter Zugang nicht realisiert wurde.“
Dem widersprechen Dr. Reinhard Ritter und Heinrich Bartels energisch. In einem langen Brief an Helmut Menzel heißt es: „Die Gedenkstätte Schacht wurde nach den Bauarbeiten zur Verbreitung der Autobahn A2 wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt.“

Weg führt über Wochendhausgebiet

Gegenüber  www.gemeinde-moeser.de erklärte Dr. Reinhard Ritter, der sich seit vielen Jahren intensiv mit der Heimatgeschichte des Ortes und insbesondere mit der Gedenkstätte beschäftigt: „Von der früheren Brücke über die A2 kann die Gedenkstäte Schacht schon seit Jahren nicht mehr erreicht werden. Das ist nur noch über die Straße im Wochenendhausgebiet Karlshof möglich. Diese geht von der Chausseestraße (von der B1 kommend) in Richtung Möser kurz vor der neuen Kita rechts ab. Nach gut 500 Metern steht neben einer Bank auf der linken Seite ein Schild, das den Weg zur Gedenkstätte anzeigt. Von hier folgen dann weitere Wegweiser.“

Der neue Weg wurde nötig, weil die Brücke über die alte A2 nach der Wende abgerissen wurde und die Firma Gotzel gleich neben der ehemaligen Kiesgrube (dem wahrscheinlichen Tatort der Ermordung) ihr Betriebsgelände hat. 
Natürlich wissen Dr. Reinhard Ritter und der Ortsbürgermeister, dass mit den Jahren die Erinnerung an die schreckliche Untat kurz vor Kriegsende immer mehr in Vergessenheit gerät und dadurch auch das Interesse an der Gedenkstätte geringer wird. Nicht zu vergessen, dass die Zahl der Überlebenden von Jahr zu Jahr sinkt. Dr. Reinhard Ritter: „Trotzdem darf ein Verbrechen wie die Ermordung der polnischen Zwangsarbeiter nicht in Vergessenheit geraten. Dabei geht es nicht mehr um Schuld oder Sühne, sondern um den Schutz davor, dass künftige Generationen nicht mehr rechtsradikalen Rattenfängern auf den Leim gehen und der Faschismus eine Renaissance erlebt.“

Deshalb setzen die beiden Schermener  sich vehement dafür ein, dass die Gedenkstätte regelmäßig gepflegt wird: „Die Gedenkplatte ist in einem ordentlichen Zustand“, erzählt Ortsbürgermeister Bartels, „die Bänke sind gestrichen. Und auch der Weg der zu dem Platz führt wird regelmäßig frei geschnitten.“ 
Damit dies auch in der Einheitsgemeinde so bleibt, hat Dr. Reinhard Ritter Kontakt mit Bürgermeister Bernd Köppen aufgenommen: „Mir geht es darum, alle Entscheider so zu sensibilisieren, dass die Gedenkstätte Schacht, die wohl der einzige Ort in der Einheitsgemeinde ist, an der den Opfern des Faschismus gedacht wird, auch in Zukunft in einem würdigen Zustand erhalten bleibt.“
Und Ortsbürgermeister Heinrich Bartels ergänzt: „Ich würde mich freuen wenn junge Leute die Pflege der Gedenkstätte und des Weges dorthin übernehmen würden. Ich könnte mir vorstellen, dass so bei den Mädchen und Jungen ein Interesse an der Geschichte geweckt wird und sie erkennen, welche Konsequenzen rechtsradikales und faschistisches Gedankengut haben kann.“

Zwei Gedenkstätten und der Vortragstermin

Übrigens: Eigentlich gibt es in Schermen zwei Gedenkstätten, denn bereits im Spätsommer 1948 wurden die sterblichen Überreste der Erschossenen ausgegraben, in Särge gebettet und auf den Schermener Friedhof überführt. Dieses Grab wurde viele Jahre von einer Frau aus dem Ort gepflegt. Jetzt haben die Gemeindearbeiter diese Aufgabe genommen: „Und in diesem Jahr wird das Grab umgestaltet“, erzählt Heinrich Bartels, „dafür bekommen wir Fördermittel vom Bund.“
ACHTUNG: Wenn Sie liebe Leserinnen und Leser zu dem Vortrag von Helmut Menzel kommen möchten, melden Sie sich bitte unbedingt unter: 039222-96009 (bitte erst ab 18 Uhr)  oder per E-Mail: hv.lostau@web.de  an.  

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