Gegangen ist mehr als nur ein Pfarrer

Veröffentlicht am 07.01.2016, 10:11

Gegangen ist mehr als nur ein Pfarrer

Wenn ein Pfarrer geht, dann ist das ein schwerer Tag für die betreuten Kirchgemeinden. Wenn ein Pfarrer geht, dann nicht leise und ohne Worte. Ja, wenn ein Pfarrer geht, dann mit den besten Wünschen für den neuen Lebensabschnitt und mit einem letzten Gottesdienst in einer vollen Kirche.
So war es auch bei Pfarrer Albrecht Neumann, der in der Pfarrei Lostau das Kirchspiel „Elbaue“ betreute, zu dem die beiden Ortschaften Körbelitz und Lostau gehören.
Neumann ist am 31.12.2015 offiziell von der evangelischen Kirche in den Ruhestand versetzt und damit von allen Pflichten entbunden worden. Dennoch behält er seine Ordination.
Seit 1998 war Pfarrer Albrecht Neumann für das Kirchspiel „Elbaue“ und die Kirchgemeinde Gerwisch zuständig. Seinen Wohnsitz hatte er im Pfarrhaus Lostau. Lostau war dabei seine dritte und letzte Station in seiner 35-Jährigen Dienstzeit als Pfarrer. Als er 1979 in Jeetze (Altmark) sein erstes Pfarramt übernahm, da war diese Zeit von vielen spannenden Erfahrungen geprägt, so beschrieb es die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens. Nach Jeetze folgte 1992 Hohenziatz und dann kam 1998 Lostau. In Lostau war vieles anders und ungewohnt. Der Kirchturm beispielsweise ist vom Pfarrhaus aus nicht zu sehen. Doch trotz dieses Umstandes fühlte sich Neumann stets wohl. Unter seiner Leitung ist in den letzten 18 Jahren vieles gewachsen. Es blieb aber auch wenig Zeit für die Familie. Denn neben Pfarrer Albrecht Neumann engagierte sich auch seine Frau Susanne als Katechetin. So verlieren die, dem Pfarramt Lostau angeschlossenen,Kirchgemeinden nicht nur einen Pfarrer, sondern eine ganze Familie, die sich stets in einem offenen Pfarrhaus um das Wohl der Gläubigen und der, in den Ortschaften lebenden, Bürgerinnen und Bürger gekümmert hat.
Dass der letzte Gottesdienst als Pfarrer der Pfarrei Lostau dann kein normaler Gottesdienst sein würde, das war wohl auch Albrecht Neumann klar. So erwarteten ihn viele seiner Glaubensbrüder und Schwestern und ein Bläsersextett.

35 Jahre war Albrecht Neumann Pfarrer, 35 Jahre kümmert er sich um den Glauben und die Einordnung des Lebens in das Glaubensgefüge. Nun tritt er einen neuen Lebensabschnitt an, den letzten, was er persönlich schade findet. Doch Albrecht Neumann ist nicht melancholisch, er blickt nach vorn. Vergleicht diesen Schritt mit dem Schritt in ein neues Jahr, durch ein neues Tor. Für Neumann ist alles Neue eben ein Anfang mit Verbindung zum Alten. Das beschrieb er auch in seiner Predigt, in der er den Kolosser-Brief 3 zitierte in dem es heißt „So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes…“. Ausziehen wird er nun das alte Kleid und anziehen ein Neues. Den Talar aber wird er nie ganz beiseite legen, das wünschte sich auch die Superintendentin die Albrecht Neumann und seine Frau Susanne von ihren Pflichten entband und segnete. Zum Abschluss erhielt der scheidende Pfarrer eine Urkunde und Präsente der Kirchgemeinden. Vom Kirchspiel “Elbaue“ gab es einen Amberbaum, der früh gepflanzt später Schatten spendet. Die passende Bank jedenfalls hatte Neumann schon im Dezember zu seinem Geburtstag erhalten.
Die größte Überraschung aber hing während des gesamten Gottesdienstes gut verhüllt und verborgen an der Wand in der evangelischen Wehrkirche Lostau. Hier war sie den Blicken weitestgehend vorborgen geblieben. Erst als Andreas Greck das weiße Tuch entfernte, da kam eine große hölzerne Tafel zum Vorschein. Auf ihr sind alle Pfarrer im Amt Lostau seit 1546 verzeichnet. Mit dabei natürlich Pfarrer Albrecht Neumann und auch für den neuen Pfarrer Peter Kube gibt es bereits eine Zeile. Vorgestellt hat sich der Neue bereits im Landboten, dem Gemeindebrief für das evangelische Kirchspiel Elbaue Lostau und die evangelische Kirchgemeinde Gerwisch. Die riesigen Fußstapfen die Albrecht Neumann mit Martinsumzügen, Chorkonzerten und vielem mehr hinterlassen hat, wird Pfarrer Peter Kube nun füllen müssen. Das, ihm das gelingen wird, davon dürfen sich die Bürgerinnen und Bürgern gern selbst überzeugen.

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