Klima und Energie Themen in der Zukunftswerkstatt

Veröffentlicht am 28.08.2015, 12:49

Klima und Energie Themen in der Zukunftswerkstatt

Die dritte Zukunftswerkstatt unter dem Titel "Klimaschutz, Energieeffizienz und Energieerzeugung" brachte viele neue Ansätze, blieb aber im Gesamten hinter den Erwartungen an verschiedenen Themenkomplexe, zurück.
Obwohl das Architekturbüro Brinkhoff und die Gemeinde Möser zwei Experten eingeladen hatten, blieben die Visionen und Ideen weitestgehend an einem Schwerpunkt hängen. Hierfür zeichnete nicht zuletzt die Bürgerinitiative "Energieautarke Gemeinde Möser" verantwortlich.
Der Abend hätte viele Ansätze verfolgen und konkretisieren können, am Ende jedoch ging die Zeit darin verloren einzelnen Akteuren Vorwürfe zu machen und das Projekt "Energieautarke Gemeinde Möser" stetig aufs Neue zu behandeln. Uwe Boennen hielt hier im Besonderen einen konstruktiven Diskurs über das vielschichtige Thema Klimaschutz auf. Dabei waren Hochwassergefahren, Starkregen in Verbindung mit Flächenentsiegelungen, Wohnumfeldgestaltung und viele weitere Sachverhalte durchaus dazu geeignet darüber zu sprechen.

Begrüßungen und Präsentation
Auch der Gemeindebürgermeister Bernd Köppen war zu Beginn des Abends, wie alle anderen Anwesenden und Interessierten auch, motiviert. In seiner Begrüßung war er deshalb positiv an das Thema herangegangen. Als Gemeinde, so der Gemeindebürgermeister, stünden die Energieerzeugung und die Energiekosteneinsparung natürlich an oberster Stelle. Deshalb sei die Gemeinde, gegenüber der Ausweisung von Flächen für erneuerbare Energien, immer positiv eingestellt. Auch die Bürgerinitiative erwähnte er lobend und sagte: "Ich wünsche mir eine Weiterentwicklung der bisherigen, von der Bürgerinitiative aufgestellten, Grundkonzeption, hin zu einer Energiegenossenschaft." Marlies Brinkhoff vom, für die Entwicklung des Leitbildes beauftragten, Architekturbüro verband ihre Einleitung mit dem Hinweis, dass der Klimaschutz auch ein kommunaler Klimaschutz sei, der ein wichtiges Querschnittsthema darstelle. Hierfür müssten die Bürgerinnen und Bürger ein Bewusstsein entwickeln. Die Energiewende und der demographische Wandel müssten laut ihrer Aussage zusammen betrachtet werden. Dies sei eine der größten Herausforderungen. Denke Global, handle Lokal, war deshalb das vom Architekturbüro ausgeschriebene Motto. Die Fragen: "Was machen wir, wo und wie machen wir es, sollten dabei im Vordergrund stehen." Dies beginne bereits bei den Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, die im Hinblick auf den Klimawandel entwickelt und abgestimmt werden müssten. In der Entwicklung des Integrierten Gemeinschaftlichen Entwicklungskonzeptes (IGEK) seien bereits viele der, für die Energiewende und den Klimaschutz, erforderlichen Maßnahmen festgeschrieben worden. Unter anderem nannte Brinkhoff hier die ressourcenschonende Mobilität durch den Ausbau des internen Radwegenetzes, sowie die Verdichtung und Wiederbelebung der Ortsmitten. Darüber hinaus gab Brinkhoff eine Zukunftsaussicht: "Der Baum im Dorf, auf privaten und kommunalen Grundstücken wird wichtig. Wie auch die Begrünung von Fassaden und Dächern immer mehr an Priorität gewinnen wird." Aus den bisherigen Erkenntnissen abgeleitet legte sie Handlungsfelder im Rahmen des kommunalen Klimaschutzes dar.
Darunter zählten:
• energieeffiziente Siedlungsstrukturen durch wärmetechnische Gebäudesanierung und einer solaren Siedlungsplanung, sowie der Wärme-und Kälteversorgung mittels Geothermie, Wärmepumpen und Solarthermie.
• Senkung des Verkehrsaufwandes über kompakte Siedlungsstrukturen und eine Verbesserung des Wohnumfeldes, sowie effizientere und alternative Mobilitätsangebote
• Klimaschützende Stromproduktion mittels eines Energiemix aus erneuerbaren Energien
• Senkung von Kohlenstoffdioxid durch den Erhalt von Grünland, Wald, Moor und sonstige Feuchtgebiete.

Gründung eines Klimaschutzbeirates angedacht
Eine Expertenrunde innerhalb der Gemeinde Möser zu installieren, die sich regelmäßig mit dem Thema kommunaler Klimaschutz beschäftigt, Empfehlungen an die Verwaltung, sowie die Ortschafts- und Gemeinderäte gibt und darüber hinaus die gemeindeeigenen Klimaschutzziele begleitet und fortschreibt, so das Architekturbüro, würde den Willen einen kommunalen Klimaschutz zu leben deutlich hervorheben. Dazu müssten berufene Bürgerinnen und Bürger, sowie Experten ermittelt und zur Mitarbeit eingeladen werden.

Klimaschutzkonzept für die Gemeinde Möser
Im nächsten Jahr soll mit der Erarbeitung eines gemeindeeigenen Klimaschutzkonzeptes, für zukünftige strategische Entscheidungen, begonnen werden. Dieses Klimaschutzkonzept sei dabei auf die Gemeinde maßgeschneidert, sagte der Energieberater Udo Schmermer. Die Herausarbeitung der technischen und wirtschaftlichen Kohlenstoffdioxid-Minderungspotentiale stelle dabei einen der Schwerpunkte dar. Darüber hinaus würden aber auch alle anderen relevanten Handlungspotentiale berücksichtigt. Die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes für die Gemeinde Möser würde mit einer Förderung in Höhe von 65 Prozent unterstützt. Befindet sich die Gemeinde mit dem Start in einer Haushaltskonsolidierung würde die Förderung sogar auf 85 Prozent angehoben, betonte Schmermer. Ein Maßnahmenkatalog und ein konzeptbegleitendes Controlling würden für eine maximale und optimale Umsetzung sorgen. Abzuschätzen wird mittels der Studie sein, ob eine Kohlenstoffdioxidreduzierung von bis zu 95 Prozent, innerhalb der Gemeinde, machbar ist. Mit einem dann aktuellen Klimaschutzkonzept stünden der Gemeinde weitere Handlungsfelder offen. So könne die Gemeinde für drei Jahre einen Klimamanager, einen so genannten Kümmerer, beschäftigen, der voll aus Fördermitteln finanziert würde. Für ausgewählte Maßnahmen könnten Fördergelder von bis zu 400.000 Euro beantragt werden. Die Fördermittel für die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes erwartet die Gemeinde für den Oktober 2015.

Ein Einzelner sprengt den Rahmen
Mit der ausgerufenen Diskussions- und Ideenfindungsrunde folgte dann das, was lähmend auf die gesamte Ideenfindung an diesem Abend wirkte. Als erster Akteur erhielt Uwe Boennen von der Bürgerinitiative Energieautarke Gemeinde Möser das Wort. Statt aber das Projekt und die bisherigen Tätigkeiten seiner Bürgerinitiative vorzustellen, nutzte Boennen sein Rederecht um diffuse Fragen in Richtung Architekturbüro zu stellen. So wollte Boennen wissen, warum sich das beauftragte Architekturbüro mit soziologischen Auswertungen beschäftige und ob die erarbeiteten Ideen und Vorschläge überhaupt umsetzbar seien. Dies sorgte für viel Unruhe. Peter Hammer, David Brinkhoff und Hartmut Dehne versuchten hier zu vermitteln. Hammer sagte: "Wir wollen uns heute hier fachlich austauschen. Brinkhoff gab zu verstehen: "Das IGEK ist eine Moderatorenleistung um Ideen zu entwickeln. Das Architekturbüro hätte keinen Umsetzungsauftrag." "Visionen erschaffen, unter Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner, dass sei das Ziel. Wir wollen gemeinsam nach Lösungen suchen um unsere Gemeinde weiter zu entwickeln." entgegnete Dehne gegenüber Boennen. Auch Marlies Brinkhoff zeigte sich enttäuscht. "Ich dachte, ich gebe ihnen hier heute mit dieser Zukunftswerkstatt eine Plattform für ihre Idee eines Energiedorfes. Ich habe ihnen deshalb vertrauensvoll den Ball zugeworfen, weil wir alle in einem Boot sitzen. Jetzt aber ist dies durch ihre forsche Art verpufft. Peter Steinfurth von der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (LENA) mischte sich ebenfalls ein. Zu Boennen sagte er: "Sie sind an uns herangetreten. Wir verstehen uns als Berater und Informanten. Deshalb bin ich heute hier. Jetzt müssen wir gemeinsam die Teile des Puzzles richtig zusammensetzen, denn Visionen sind nie konkret, sondern nur beschriebene Ideen. Es gibt aber viele Wege Visionen umzusetzen."

Die negative Seite diskutiert
Erneuerbare Energien stoßen nicht überall auf Zustimmung, besonders Windkraftanlagen sind oft und viel diskutierte und bekämpfte Objekte in vielen Ortschaften, im gesamten Bundesgebiet. Auch während der Zukunftswerkstatt kam dieses Thema auf den Tisch. Zwei Pietzpuhler Einwohner wollten beispielsweise etwas über die Schattenseiten der erneuerbaren Energien wissen und fragten deshalb, wo sie sich darüber informieren könnten. Aus der Runde erhielten sie den Hinweis sich an das Umweltbundesamt oder auf der Internetseite https://www.energy-charts.de/, umzusehen. Das Windkraftanlagen zu einer Wertminderung von Grundstücken und Gebäuden führen können, wollten die beiden Pietzpuhler ebenso herausstellen, ehe sie die Frage danach stellten, wie viele Windkraftanlagen überhaupt notwendig seien, um die Gemeinde energieautark versorgen zu können. Hier verwies Udo Schmermer auf das zu entwickelnde Klimaschutzkonzept, in dem solche Fragen beantwortet würden. Eine Diskussion kann auch dahin führen, dass sich die Gemeinde und deren Bürgerinnen und Bürger im Anschluss gegen die Windkraft aussprechen. Wirtschaftlichkeit und naturräumliche Faktoren müssten hier abgewägt werden. Dazu bedarf es eines demokratischen Prozesses in dem Pro und Kontra zur Abstimmung gebracht werden, sagte beispielsweise Thomas Strauß

Energiegenossenschaft angestrebt
Will die Gemeinde ein eigenes Stromnetz betreiben und keine neue Konzession im Jahr 2018 ausschreiben? Das war einer der Fragen, die zur Idee einer Energiegenossenschaft für die Gemeinde Möser führte. Privat vor Ort eigenen Strom zu erzeugen ist ein reizvolles Thema, dem sich bereits die oben erwähnte Bürgerinitiative angenommen hat. Uwe Boennen erklärte auf Nachfrage die Grundidee dahinter. "Unser Ansatz ist ein Energiemix. Wir stellen uns die Erzeugung eigenen Stroms durch Wind, Sonne, Biogas und Holz vor. Die Machbarkeit einer Energieautarken Gemeinde Möser müsse aber zunächst über eine entsprechende Studie festgestellt werden, dazu bedarf es finanzieller Mittel, auch als Förderung, so Boennen. Über eine Energiegenossenschaft könne dann der Strom, der in der Gemeinde und ihren Ortschaften benötigt würde, selbst produziert werden, ist sich Boennen sicher. "Wir wollen etwas verändern für unsere Kinder, um Perspektiven für die Zukunft zu schaffen." gab er abschließend zu verstehen. Lutz Baumgarten verwies darauf, dass in ersten Gesprächen mit dem Landrat des Jerichower Landes, Vertretern der Universität Magdeburg, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Burg und verschiedenen Mitgliedern des Landtages, die Idee einer Energiegenossenschaft auf offene Ohren stieß. Auch Gewerbetreibende und private Bürgerinnen und Bürger aus der Gemeinde, denen die Bürgerinitiative eine mögliche Energiegenossenschaft vorgestellt hatte, seien begeistert gewesen und hätten bereits nach Anteilen gefragt, teilte Baumgarten mit. Udo Schmermer sagte darauf hin, dass im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes eruiert werden müsse: Wer will bei der Genossenschaft mitmachen? Wer würde die Umsetzung mitfinanzieren? Was würde mit einer Energiegenossenschaft die Kilowattstunde in etwa kosten? Am Ende müsse darüber nachgedacht werden ob wir die Konzessionsverträge auslaufen lassen wollen? Und wollen wir ein kommunalisiertes oder genossenschaftliches Stromnetz?, so Udo Schmermer weiter. Marko Simon sah in der Idee Potential. Schließlich, so der Schermener Ortsbürgermeister, könnten die Stromkosten zukünftig auch eine Entscheidungsgrundlage für den Zu- oder Wegzug in die, oder aus der Gemeinde sein.

Die weiteren Themenfelder
In der stetigen Diskussion um Energieautarkie und Arbeitsgrundlagen versuchten Peter Hammer und Dr. Thomas Trantzschel den Blick auf andere Bereiche des Klimaschutzes zu lenken. Hammer versuchte es mit der Entsiegelung von Flächen, um das Ableiten von Regenwasser und Überschwemmungen nach Starkregen zu verhindern. Seiner Meinung nach müsse viel mehr Regenwasser auf offene Flächen fallen, damit ein gesunder Boden und ein guter Grundwasserspiegel erhalten blieben. Trantzschel brachte die Idee der Anpflanzung von Obstbäumen an den ländlichen Verbindungswegen innerhalb der Gemeinde ein. Dies so Trantzschel würde nicht nur den Tourismus fördern, sondern maßgeblich das Mikroklima verbessern.

Nach etwas mehr als zwei Stunden Diskussion und Ideenfindung wurde die dritte Zukunftswerkstatt beendet. Am 08. Oktober haben alle Bürgerinnen und Bürger noch einmal die Gelegenheit an einer Zukunftswerkstatt teil zu nehmen. Im Trauzimmer der Verwaltung wird dann über die Entwicklung des Tourismus gesprochen. Beginn 19 Uhr, Brunnenbreite 7/8, Möser.

Präsentation des Architekturbüro Brinkhoff

Bernd Köppen eröffnet die dritte Zukunftswerkstatt      in der Diskussion Gemeindebürgermeister Bernd Köppen      Udo Schmermer stellt Klimaschutzkonzept vor

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