Kränze niedergelegt

Veröffentlicht am 13.11.2016, 12:35

Kränze niedergelegt

<cdl> Die zentrale Kranzniederlegung der Gemeinde Möser, erfuhr in diesem Jahr einen noch würdigeren Umgang mit den Kriegstoten.
Es war das erste Mal, dass die 3. Kompanie des Logistikbataillons 171 „Sachsen-Anhalt“, als Patenkompanie der Ortschaft Pietzpuhl, an einer zentralen Kranzniederlegung der Gemeinde Möser, zum Volkstrauertag, teilnahm. Es war auch ein Novum, dass die Stille des Trauerns durchbrochen wurde. Durchbrochen durch die erinnernden und mahnenden Worte des Gemeindebürgermeisters, Bernd Köppen. Nachdem die Bundeswehrsoldaten, Stabsunteroffizier Matthias Stutzer und Obergefreiter Maximilian Schmidt, unter Anleitung des Stabsfeldwebels, Oliver Richter, den Kranz, am Ehrenmal für die deutschen und italienischen Kriegstoten in Lostau, niedergelegt hatten, begann Köppen mit seiner Rede. Köppen benannte die Kriegstoten der einzelnen Ortschaften, deren Namen an den Ehrenmalen und Ehrentafeln in der Gemeinde Möser, ein ewiges Mahnen und Gedenken darstellen sollen. 330 sind es, die in den sechs Ortschaften an den Straßen und in den Kirchen verzeichnet und für die Öffentlichkeit sichtbar sind. Dann griff er einen dieser Kriegstoten stellvertretend heraus. Es war der erste Kriegstote der Ortschaft Körbelitz im ersten Weltkrieg. Sein Namen stand für alle Kriegsopfer weltweit und im Besonderen in der Gemeinde Möser. Gekonnt schaffte es der Gemeindebürgermeister einen Bogen zur Bundeswehr, ihren Auslandseinsätzen und dem neuerlichen Kriegsdienst deutscher Soldaten zu spannen, ehe er auf die Gefahr des gesellschaftlichen Friedens durch Glaubenskriege einging. Nach einer Gedenkminute erklang das „Lied vom guten Kameraden“, das von einem Trompeter der Weinbergmusikanten gespielt wurde. An der zentralen Kranzniederlegung der Gemeinde nahmen unter anderem die Ortsbürgermeister Thomas Voigt, Lostau, und Michael Bremer, Möser, teilt. Auch der Gemeinderatsvorsitzende Hermann Lünsmann war gekommen, ebenso einige Anwohner*innen.

Die Rede des Gemeindebürgermeisters

Einst hier zuhause, Opfer die mahnen

Schermen/Pietzpuhl – 42
Möser - 70
Körbelitz - 88
Lostau - 94
Hohenwarthe - 35

71 Jahre nach dem Ende des letzten großen Krieges mit weltumfassender Bedeutung, sind jene Namen, die an den Ehrenmalen und Gedenktafeln in den Ortschaften unserer Gemeinde stehen, nur noch statistische Zahlen. Opfer von Kriegen, aus unserer Mitte gerissen, wirken heute fremd.

WER WAR PAUL HÖPPNER?
Ein Körbelitzer, einer von uns, einer, der am 28. August 1914 bei Antwerpen, sein junges Leben lassen musste.
Die Kriege haben viele Paul Höppners hervorgebracht. Etwa 330 von ihnen sind im öffentlichen Raum für alle Zeiten, mahnen den nächsten Generationen, in unserer Gemeinde, hinterlassen worden. So wie an diesem Denkmal hier.
Und doch verlieren wir den Blick zurück, den Blick auf die weinenden Mütter, Frauen und Kinder, die ihre Söhne, Ehemänner und Väter in Besorgnis zur Front schickten und nicht mehr als einen Brief zurückbekamen.
Ihre Tränen haben an Orten wie diesem, Eingang in den Boden gefunden. Die Erde, auf der wir heute in Frieden leben können.

Wie brüchig dieser Frieden ist, dass sehen wir an der Entwicklung in aller Welt. Auch heute weinen wieder Mütter um ihre Söhne, Frauen um ihre Männer und Kinder werden ihre Väter nie kennenlernen dürfen.
Wenn wir heute wieder Soldaten in Uniformen zu ihrer Vereidigung beglückwünschen, dann beglückwünschen wie sie auch zu einem Einsatz im Ausland, dann beglückwünschen wir den möglichen Tot junger Männer, das weinen von Müttern.
Die Erkenntnis, dass Leben mehr ist, als Geburtstage zu feiern, ist in unserer Gesellschaft verloren gegangen. Heute feiern wir die Verteidigung am Hindukusch und vergessen, dass schon kleine Steine, eingelassen am Wegesrand, an Schicksale einstiger Mitbürger erinnern können.

Wo das Soldatentum Tugenden vorlebt, gibt der Krieg die Weisheit vor. Disziplin, Treue, Moral sind heute längst keine Selbstverständlichkeiten mehr. Bilder von Bombenabwürfen, Kriegstoten und Menschen, die sich mit kleinen Booten über Meere versuchen zu retten, sind hingegen Alltag geworden.
Der Krieg, der Tot, haben ein neues Zuhause in unseren Wohnzimmer gefunden. Ein Zuhause, dass wir ihnen gaben. Wir, die stillschweigend zusehen, wie Menschen grausames tun. Auch heute sterben wieder unsere Bürger. Nicht in einem Krieg Staat gegen Staat, in einem Krieg Gesellschaft gegen Glauben. Wenn heute Bomben explodieren, dann wurden sie nicht aus Flugzeugen geworfen oder mit Kanonen abgeschlossen, heute stehen sie in Koffern oder Töpfen am Rande unbemerkt, bis zum großen Knall. Der Terrorismus ist ein Krieg, einer der dafür sorgt, dass unser vermeidlicher Frieden, in den wir es uns bequem gemacht haben, immer mehr zur Floskel wird.

Was ist Frieden? Was ist Krieg?
Diese Fragen müssen wir uns heute stellen. Heute an jenem Tag, an dem das Volk trauern sollte.
- Darüber, dass Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten, für die Fortsetzung der Politik mit militärischen Mitteln.
- Das Volk sollte trauern, darüber, dass andere uns die Freiheit versuchen zu nehmen.
- Darüber, dass wir Frieden heute als allzu verständlich erachten.

Es ist an der Zeit den Geist des Miteinanders, der Gemeinschaft wiederzubeleben. In den Ortschaften, unter den Ortschaften, in der Welt. Es ist unsere Pflicht den nachwachsenden Generationen zu vermitteln, was es bedeutet im Schützengraben zu liegen. Was es bedeutet einen geliebten Menschen beweinen zu müssen. Wir sind in der Pflicht, dass der Frieden, den wir so genießen, auch für unsere Kinder und deren Kinder zum lebensideal wird. Fern ab von Religions- und Kulturunterschieden. Das ist die Botschaft, die von diesem Tag, dem Volkstrauertag, ausgehen sollte.

Wir gedenken den Paul Höppners und den bisher 137 Bundeswehrangehörigen, die in Auslandseinsätzen ihr Leben verloren. Wir senken unser Haupt für ihr Opfer. Wir halten nun für eine Minute innen um den Frieden wieder Raum zu geben. Damit unsere Freiheit auch die Freiheit der nächsten Generationen sein kann.

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