Nach drei Jahrzehnten kommt das Aus

Veröffentlicht am 13.06.2016, 15:55

<cdl> Noch vor einigen Tagen feierte der Jugendclub „Pik Ass“ in Möser sein 30-jähriges Bestehen. Nun kommt heraus - am Jahresende ist Schluss.
Es war eine Handvoll Gäste, die der Einladung zur Jubiläumsfeier folgten. Es waren keine Jugendlichen, die den Weg in den Club fanden, sondern Frauen und Männer, die heute mit beiden Beinen fest im Leben stehen und selbst als Jugendliche einen Teil ihrer Zeit im Jugendclub verbrachten. Für sie ist Horst Wichmann, der den Jugendclub seit 1990 leitet, mittlerweile zu einem Freund geworden mit dem die alten Kamellen von damals herausgekramt werden können. Davon gab es dann auch eine ganze Menge zu hören. Doch der Reihe nach. Bevor Leben in den Club kam, musste dieser erst einmal gebaut werden. 1986 beschloss der damalige Rat der Gemeinde Möser den Bau eines Jugendhauses. Nach nur neun Monaten konnte dieses 1987 bereits eröffnet werden. Sicher war da auch die tatkräftige und handwerkliche Unterstützung der damaligen Jugendlichen entscheidend gewesen. Drei Jahre läuft der Club, dann kommt Horst Wichmann. Ein Mann, der den Club zur Legende werden ließ. Für viele wird in den kommenden Jahren der Jugendclub zu einem zweiten Zuhause. Für viele ist er das Abendprogramm schlechthin. Die Disco regelmäßig überfüllt mit wartenden, die in Schlangen bis zur Straße standen. 1997 dann wird der Jugendclub „Pik Ass“ in einen Verein überführt. Dessen erste Vorsitzende wird Steffi Kramer. 2002 übernimmt dann Stefan Volber das Ruder und gibt es erst 2010 an Alexander Grimm ab. Der Jugendclub hat in seinen 30 Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt, darauf machte Horst Wichmann bei seiner Begrüßung aufmerksam. Finanzprobleme, Gerichtsprozesse und sogar eine Razzia gab es. Aber die positiven Erinnerungen überwiegen. So die 16 Sommerfahren nach Ungarn und die zwei Fahrten an die Ostsee.

Die vielen Turniere in Dart, Bowling, digitalen Fußball und natürlich auch die Discos. Seit 1991 fanden jeden Sonntag im Jugendclub Dartturniere statt. Nun müssen sich die Pfeilwerfer am Ende des Jahres nach einer neuen Heimstätte umsehen. Doch alle, die im Pik Ass waren, sei es zu Besuch, oder regelmäßig als Stammgäste, werden nie das Besondere an diesem Club vergessen und auch nicht den Mann, der viel für seine Schützlinge getan hat. Diese Anekdoten erzählten alle gern mit einem Lächeln. Sie brachten Geschichten zurück, die längst in Vergessenheit geraten waren und holten damit auch alle die schönen Erinnerungen zurück. So auch vom Club-Bus der seit 1996 alle jugendlichen Gäste von zuhause abholte und nach der Disco auch wieder nachhause fuhr, inklusive Pausen für jene, die sich den Abend noch einmal durch den Kopf gehen lassen mussten. „Ja, das waren Zeiten“ war immer wieder zu hören und dann fing einer an davon zu erzählen, wie Horst Wichmann in einem Rutsch von Ungarn nach Deutschland, von Deutschland nach Ungarn und wieder zurückgefahren ist, nur um drei, wegen eines Fahrzeugdefektes, gestrandete Jugendliche nach der Sommerfahrt wieder nach Hause zu bekommen. „Das ist Horst“, hieß es da übereinstimmend. Der „Horst“ selbst aber will das alles nicht so hochloben. Für ihn war das alles selbstverständlich. Jetzt denkt der 66 Jährige aber weiter. „Wenn ich den Absprung nicht schaffe, dann komme ich hier nie weg. Ich bin ja eigentlich schon Rentner.“ Einen Nachfolger für Horst Wichmann gibt es nicht, es wäre auch schwer einen solchen Mann zu ersetzen. So findet am 26.11.2016 die letzte Party im Jugendclub am Sportplatz statt, ehe die Tür für immer geschlossen bleiben wird. „Der gute Mann, der viel für die Jugendlichen in der Gemeinde getan hat“, wie es Ortsbürgermeister Michael Bremer formulierte, wird dann aber sicher nicht zur Ruhe kommen, dafür ist der „Horst“ einfach nicht gemacht.

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