Neue Heimatstube in Lostau macht's möglich: Wunderbare Zeitreise in die Vergangenheit

Veröffentlicht am 08.06.2012, 17:46

 

Alter, neuer Küchentisch und ein  polierter Krug

Es riecht nach frischer Wandfarbe. Auf einem neu lackierten, alten Küchentisch liegen Nägel, Hammer, Zangen und Schraubenzieher. Peter Grodde und Günter Schulze stehen im Flur, hängen ein  Bild an die Wand. Helga Grodde poliert einen tönernen Krug, während Edeltraud Schulze einen Puppenwagen in eine Ecke schiebt. Silvia und Peter Hentschel sind derweil damit beschäftigt, eine alte Wäschemangel richtig „in Szene“ zu setzen. Im Lostauer Gemeindehaus in der Möserstraße herrscht Hochbetrieb, soll hier doch in wenigen Tagen die neue Heimatstube feierlich eröffnet werden.
Was vor zwei Jahren als eine Idee des Heimatvereins begann, biegt  nun in die „Zielgerade“ ein.
„Als wir auf die Idee kamen, eine Heimatstube einzurichten, brauchten wir natürlich auch Räume“, erinnert sich Helga Grodde, „aber irgendwie klappte nichts.“
Weder die Halle des Radballvereins noch die einstige Gaststätte gegenüber der Seniorenanlage „Wohnpark Zur Heide“ standen zur Verfügung: „Also kamen wir mit unserem Bürgermeister ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass im Gemeindehaus eine Menge Platz ist.“ 
Das lag daran, dass die Sekretärin von Bürgermeister Helmer Frommholz in die Verwaltung gewechselt hatte. Dadurch stand ein Raum zur Verfügung. Und als sich Helmer Frommholz dann auch noch freudig bereit erklärte, sein Büro zur Verfügung zu stellen und sich somit quasi „zum lebenden Inventar der Stube“ erklärte, konnte es losgehen.

Arbeitsgruppe Heimatstube wollte mehr als nur Antiquitäten

Zunächst wurde vom Heimatverein, der seit 12 Jahren besteht und 26 Mitglieder hat, die „Arbeitsgruppe Heimatstube“ ins Leben gerufen. Ihr oblag es nun historische Gegenstände zu organisieren, alte Dinge in Lostau zu finden, Kontakte zu knüpfen und eben alles zusammenzutragen, was alt ist und seinen Platz in der Heimatstube finden könnte.

Aber, dem Verein und der Spezial-Einheit „Heimatstube“ ging es von Anfang an nicht nur um Antiquitäten und altes aus Lostau – nein, sie wollen viel mehr: „Unser kleines Haus der Erinnerungen soll eine Begegnungsstätte für Jung und Alt werden“, erzählt Helga Grodde. "Wir möchten regelmäßig Veranstaltungen anbieten – von der Lesung, über einen Rommee-Abend  bis zum Kochen nach alten Rezepten. Außerdem planen wir  Ausstellungen und Gesprächsrunden.“ Dabei steht besonders das Leben in der Großfamilie im Interesse des Vereins: „Wir wünschen uns, dass ältere Bürgerinnen und Bürger in die Heimatstube kommen und erzählen, wie es damals so war, denn wir möchten nicht, dass diese Erinnerungen eines Tages vergessen sind“, sagt Helga Grodde. Dies wird deutlich am Männergesangverein Lostau:
Zunächst einmal bekamen die Heimatstubenmacher eine alte Vereinsfahne aus dem Jahre 1860 geschenkt. Diese muss zwar komplett restauriert werden, wird aber garantiert ein Schmuckstück und Blickfänger der Ausstellung. Darüber hinaus wussten die Macher, dass noch einige alte Herren in Lostau leben, die um 1940 im Chor kräfftig mitgesungen haben: „Wenn sie uns ihre Geschichten und Erinnerungen kundtun, erfahren wir nicht nur eine Menge, sondern bewahren auch das Althergebrachte für die nächsten Generationen."

Kinder und Erwachsene: Gratisreise in die Vergangenheit

Auch gibt es eine Menge alte Spielsachen in der Heimatstube. Nicht nur Puppen oder ein Dreirad, sondern Spiele der unterschiedlichsten Art: So erfahren Mädchen und Jungen  vielleicht, dass es sogar Alternativen zum Computer oder Videospielen gibt und ein Leben ohne Technik möglich war", lächelt Helga Grodde. Die Küche (das ehemalige Sekretariat) wurde ebenfalls liebevoll und detailgenau eingerichtet: Im Mittelpunkt steht ein altes Buffet, mit prächtigem Geschirr, Kannen und anderen Utensilien. Überall stehen Krüge und Biertöpfe, Kuchenformen. Sogar eine Buttermaschine und eine alte Mangel gibt es.
Ob Sperrmüll, Anzeigen oder Spenden – die historischen Gegenstände kommen von überall her, wurden teilweise unter den kuriosesten Umständen aufgetrieben. Möchten Sie gerne hören, wie es früher klang, wenn eine Telefonnummer gewählt wurde? Kein Problem, in der Heimatstube steht noch so ein vorsintflutliches Gerät. Oder das Klappern einer Schreibmaschine? Dann hauen Sie mal ordentlich in die Tasten der alten Continental, die die Heimatstübler zur Schau stellen.
Lange kann man in der Lostauer Heimatstube auf Zeitreise gehen, hier etwas probieren, da etwas bestaunen. Fast automatisch wird die Phantasie des Betrachters geweckt, denn jedes Exponat scheint eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten zu erzählen. Und jede Erinnerung beginnt bekanntermaßen mit den Worten : „Weißt Du noch…?“ 

Spende willkommen, dafür gibt es auch lebendes Inventar

In der ersten Zeit wird die Heimatstube einmal im Monat (Sonntag von 10 bis 17 Uhr) geöffnet sein. Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber gerne angenommen. Wenn Touristen Lostau besuchen und einen Blick hinein werfen wollen, brauchen sie nur eine Telefonnummer anrufen und dann eilt sofort jemand vom Heimatverein (wie aus der Vergangenheit beigezaubert) herbei und schließt die geheiligten Räume auf.
Auch während der Sprechzeiten des Bürgermeisters sind Besucher willkommen, hat das Ortsoberhaupt doch seinen Schreibtisch mitten in der Ausstellung stehen.
Schön, so kommen Zeitreise und Gegenwartfragen in einem Raum zusammen.

Sogar ein Museumsdirektor kommt zur Eröffnung

Am Tag der Eröffnung haben sich nicht nur der Landtagsabgeordnete Markus Kurze, Einheitsgemeindebürgermeister Bernd Köppen und Ortsbürgermeister Helmer Frommholz angesagt, auch Dr. Hans Pellmann, Direktor des Naturkundemuseums Magdeburg kommt. Und er bringt ein wertvolles Geschenk mit: Vor knapp drei Jahren wurde in Lostau der äußerst seltene Eschenbaumschwamm entdeckt und geborgen. Das Museum hat dann dieses fast ein Meter große (normal sind acht bis 20 Zentimeter) Prachtexemplar präpariert. Zur Eröffnung der Heimatstube wird der Riesen-Pilz (die Art steht auf der Roten Liste) von Dr. Pellmann an die Heimatstube überreicht.  

NICHT VERGESSEN! SONNABEND, 16. JUNI 2012, AB 10 UHR: FEIERLICH, FRÖHLICH, FESTLICHE ERÖFFNUNG DER NEUEN HEIMATSTUBE IM LOSTAUER (MÖSERSTR. 19) GEMEINDEHAUS. KOMMEN SIE HIN UND REISEN SIE MIT IN DIE VERGANGENHEIT - ES LOHNT SICH! DAS HEIMATSTUBEN-TEAM FREUT SICH, SIE BEGRÜSSEN ZU DÜRFEN UND FÜHRT SIE GERNE DURCH LÄNGST VERGANGENE ZEITEN.

 

   

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