Schermen: Findet das Maulbeerbaumfest nie mehr statt?

Veröffentlicht am 18.09.2012, 08:59

Erleidet das beliebte Schermener Maulbeerbaumfest das gleiche Schicksale wie so viele Dorfveranstaltungen und verschwindet vom Veranstaltungskalender? So sieht es aus, denn auch wenn das Fest am 15. September noch einmal in Schermen stattfand, wurde von vielen schon der Abgesang eingestimmt. Verständlich: In den letzten Jahren kamen immer Gäste zum Fest, sodass die Gemeinde und die (noch) angereisten Budenbetreiber Minus in den Kassen hatten. Eine weitere Folge war, dass aus einem Drei-Tage-Fest mittlerweile eine Ein-Tages-Veranstaltung zuzüglich Festgottesdiens am Vorabend wurde.

Aber warum siecht das Maulbeerbaumfest so still vor sich hin? Ein Grund ist sicherlich das sinkende Engagement. So hatten auch für dieses Fest wieder viele zugesagt, Bänke aufzustellen und zu helfen. "Gekommen sind aber nur die, die immer helfen...", sagt ein Mit-Organisator resigniert.
Auch der Jugendklub hat quasi in letzter Minute sein Programm zurückgezogen. "Das ist sehr bedauerlich, zumal sie die Räume von der Gemeinde gestellt bekommen und damit etwas zurückgeben könnten“,
sagte Organisator Gisbert Schmidt der Volksstimme.
In der Zeitung erklärte dann Karsten Weisheit, Leiter des Schermener Jugendclubs "Blue", das es sehr unglücklich gelaufen sei." Er führte aus, dass die angekündigten Ritterspiele, die die Jugendlichen bereits im Juni zum Kinderfest veranstaltet hatten, aus organisatorischen Gründen ausfallen mussten. Hatten die Jugendlichen im Juni noch alles allein auf die Beine gestellt, war in diesem Fall die Zeit zu knapp: „Es hat lange gedauert, bis man sich hier einig war, ob das Fest stattfindet und wann. Und dann fehlten mir einfach die ‚Großen‘, die die Spiele leiten können. Schichtdienst, Urlaub, Krankheit spielten auch eine Rolle. Und die nachrückende Generation ist noch nicht so weit“, erklärte Weisheit in der Volksstimme.
Doch ganz setzte der Jugendclub nicht aus und bot das Basteln von großen und kleinen Baumscheibenanhängern an.

 Büchsen werfen, Teebeutelweitwurf, Sackhüpfen, Eierlauf, Scheibenschießen oder Bierfasswerfen – überall auf der Wiese unterm Maulbeerbaum war etwas los. Aiuch im Zelt gab es am nachmittag Musik,Tanz, kleine Vorführungen und Spiele. Eigentlich alles ideal Voraussetzungen für ein fröhliches Fest. Aber das alles reicht eben nicht, wie dann auch die Abemndveranstaltung bewies: 110 Besucher, wieder weniger als im Vorjahr. keine Chance die Kosten auch nur annähernd zu decken. 2500 Euro hatte die Gemeinde zum Fest dazugeschossen: "Wie hoch das Minus wird", weiß ich noch nicht, sagt Ortsbürgermeister Heinrich Bartles. Für ihn war es in jedem Fall das letzte Maulbeerbaumfest: Nach 17 Jahren in Schermen zieht er zurück nach Niedersachsen. "Am 30. September ist es soweit", sagte er www.gemeinde-moeser.de, "das Haus ist verkauft, der Rücktritt als Bürgermeister eingereicht. Eine lange und schöne Zeit neigt sich dem Ende zu." Wie es mit dem Fest weitergeht, weiß Marco Simon, noch stellvertretender Ortsbürgermeister von Schermen auch nicht: "Das werden wir alles in Ruhe aufarbeiten und dann entscheiden", sagte er am Schießstand und schrieb weiter Namen auf die Scheiben.

Abgesehen vom relativ erfolgreichen Nachmittag, zu dem besonders die Eltern mit ihren kleinen Kindern kamen, ist es die Abendveranstaltung, die Geld bringen muss, aber eben leider nur kostet: Noch weniger Gäste als im Vorjahr bedeutete noch weniger Umsatz, auch für die angereisten Essen- und Trinkenwagen In der Volksstimme sagt Gisbert Schmidt: „Die werden wohl auch nicht wiederkommen.“
Natürlich ist es schade, wenn die Ortschaftsräte nicht zum Maulbeerfest gehen und auch viele andere Schermener lieber zuhause bleiben oder woanders feiern. Hier fehlt es anscheinend an dörflicher Solidarität – etwas, das in Schermen noch vor einigen Jahren ganz wichtig war: "Wenn ich insgesamt nur drei Ortschaftsräte auf unserem Fest antreffe, fühlt man sich nicht gerade unterstützt. Nachdem so viele gesagt hatten, wir müssten das Fest machen, das sei Tradition, war es traurig zu sehen, wie wenige kamen", sagte Gisbert Schmidt der Volksstimme.
Dennoch war die Abendveranstaltung  eine tolle Party, mit toller Musik, immer voller Tanzfläche und keine Randale, berichteten Gäste am Sonntag.
Das zeigt, dass das Maulbeerbaumfest Potential hat. Aber vielleicht müssen die Rahmenbedingungen geändert werden. Vielleicht sollte das Fest nicht jedes Jahr stattfinden: "Alle drei Jahre mit vielen ausgefallenen Ideen könnte dem Fest zu neuer Atztraktivität verhelfen", sagte ein Schermener. Und, es sollte auch diskutiert werden, ob man das Fest mit einem absoluten Höhepunkt aufwertet. das muss kein Top-Star sein, es gibt viele attraktive Alternativen.
Doch darüber müssen natürlich der Heimatverein und die Ortsräte befinden. Es wäre nur schade, wenn dieses Maulbeerbaumfest wirklich die "Beerdigungsveranstaltung" war und wieder eine Strück Tradition stirbt.




 

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