Trägerbörse für Gemeinde-Kitas: Viele Informationen, wenig Eltern

Veröffentlicht am 12.07.2012, 16:29

Fünf freie Träger wollen die Kitas übernehmen

Pünktlich um 9.30 Uhr öffneten sich die Pforten für die Trägerbörse, auf der fünf Institutionen aus der Region und Nürnberg allen Interessierten ihre Vorstellungen und Konzepte zu Kinderbetreuung in Kitas vorstellen wollten. Schade allerdings, dass nur wenige betroffene Eltern, die ihre Kinder im MS Piratenclub oder in Körbelitz betreuen lassen, auch tatsächlich die Gelegenheit nutzten, sich zu informieren. Stattdessen  waren viele Erzieherinnen (darunter die Leiterin des Körbelitzer Regenbogens), Mitarbeiter der Verwaltung und Kommunalpolitiker (Bürgermeister Bernd Köppen hatte extra seinen Urlaub unterbrochen) in den MS Piratenclub gekommen.

Sie zogen von Raum zu Raum, befragten die Vertreter der Organisationen, ließen sich Info-Filme zeigen und nahmen Unterlagen mit.
Und sie erfuhren dabei – unabhängig von allen pädagogischen Präsentationen – auch viele Details, die bisher in der Öffentlichkeit so nicht bekannt waren.
So erklärte die Mitarbeiterin eines Trägers, dass die Forderungen der Gemeinde schon sehr "überraschend" gewesen seien: „Insbesondere die finanzielle Absicherung des Personals, sprich die Bestandswahrung, können bei uns zum Problem werden“, sagte sie zu www.gemeinde-moeser.de. 

Latten wurden sehr hoch gelegt

Sie meinte damit, dass die Mitarbeiterinnen in ihrer Organisation deutlich weniger verdienen würden, als die in Schermen und Körbelitz. Ihre Frage: „Wie sollen wir einer Erzieherin, die im Nachbarort erklären, dass es bei gleicher Arbeit diese Differenz gibt“  Natürlich war ihr klar, dass sich auch frei Träger der Konkurrenz stellen müssen und ausgebildete Erzieherinnen nicht nur im Jerichower Land rar sind... Aber es gibt eben unterschiedliche Tarife... Schon zur Mittagszeit war es in den einzelnen Räumen leer geworden, so dass einige Träger vorab abbrachen. www.gemeinde-moeser.de  wollte deshalb von den einzelnen Trägern wissen, wie sie die Börse einschätzen.
Hier die Antworten:

Das sagen die interessierten Träger zur Börse

Johanniter-Unfall-Hilfe: Eine Trägerbörse in dieser Form haben wir bisher noch nicht erlebt.  Leider waren nicht viele Eltern bei uns. Aber die, die gekommen sind, waren sehr interessiert.
DRK: Es gab interessante und konstruktive Gespräche. Nach allem, was wir in den Medien lesen konnten, hatten wir den Eindruck, dass wir hier nicht gewollt sind. Aber die Trägerbörse hat uns einen anderen Eindruck vermittelt.
Volkssolidarität: Es war eine interessante Veranstaltung. Wir konnten viele Fragen beantworten und sicher so manches Vorurteil zerstreuen.
Europäisches Bildungswerk: Wir hatten gedacht, es kommen einige Eltern mehr. Die, die zu uns gekommen sind, machten einen interessierten und motivierten Eindruck.
Kinderzentrum Kunterbunt: Wir sind neu in dieser Region, deshalb war die Trägerbörse auch für uns sehr lehrreich. Wir fahren mit einem sehr positiven Eindruck nach Hause.

Und, wie unterschieden sich  nun die freien Träger in ihren Konzepten? 
Hier die wichtigsten Punkte:

Das sind die Unterschiede

Kinderzentrum Kunterbunt: Situationsorientiertes Arbeiten steht im Vordergrund. Dabei stellen individuelle Hauskonzepte auf spezielle pädagogische Ziele ab.
Europäisches Bildungswerk: Im Mittelpunkt des pädagogischen Konzepts steht eine bilinguale Betreuung und Bildung der Kinder. Vor einem Jahr startete das Europäische Bildungswerk in Gerwisch mit zehn Kindern, jetzt sind alle 40 Plätze weg.  
Volkssolidarität: Die Volkssolidarität – Kinder-, Jugend- und Familienwerk GmbH Sachsen-Anhalt ist landesweit breit aufgestellt – betreibt 29 Kitas mit rund 2550 Plätzen. Auch die Kita von Lostau ist in ihrer Trägerschaft. Die Wahrung der Eigenständigkeit einer Einrichtung ist ganz wichtig: Entscheidungen werden den einzelnen Häusern und ihren Kuratorien überlassen.
Das Deutsche Rote Kreuz ist bereits in der Gemeinde Möser vertreten. Seit gut zehn Jahren gehört die Hohenwarther Kita zur Organisation. Pädagogische Konzepte unterschiedlicher Einrichtungen werden nicht verändert, sondern eventuelle Verfeinerungen richten sich nach den örtlichen Gegebenheiten.
Johanniter-Unfall-Hilfe: Hier wird stark auf die Prägung christlicher Werte gesetzt.

„Fünf völlig unterschiedliche Kandidaten, die alle etwas zu bieten haben und sich ihrer Verantwortung bewusst sind“, zog ein Trägerbörsen-Besucher vorsichtig Bilanz.

Gemeinde bleibt in der Verantwortung

Fest steht, dass die Trägerbörse gezeigt hat, dass es kompetente und verantwortungsvolle Organisationen gibt, die bereit sind, sich der Verantwortung zu stellen und zum Wohle der ihr anvertrauten Mädchen und Jungen handeln wollen.

Bürgerinitiative gefiel Trägerbörse

Und, egal, wie die Entscheidung ausfällt – sollte die Gemeinde tatsächlich die beiden Kitas in freie Trägerschaft überleiten, bleibt sie auch künftig in der Verantwortung: „Das ist auch gut“, sagte Bürgermeister Bernd Köppen zu www.gemeinde-moeser.de, „es geht ausschließlich um das Wohl unserer Kinder und nicht um einzelne Interessen.“

Am Mittwoch tagte das Kuratorium der Kita in Körbelitz, am Donnerstag (12. Juli) ist das Kuratorium der Kita MS Piratenschiff an der Reihe. Dann erfolgt eine Empfehlung der Eltern, des Personalrates und der Kitaleiterinnen.
Und in der kommenden Woche (17. Juli) trifft sich die Arbeitsgruppe der Gemeinde, bevor dann eine fachliche Stellungnahme und ein Entscheidungsvorschlag formuliert wird.
Übrigens: Auch Maik Mory von der Bürgerinitiative hielt die Trägerbörse für sehr nützlich. Wenn eine eine einvernehmliche Entscheidung getroffen wird, würde die Bürgerinitiative dies auch so akzeptieren, ergänzte er.

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