Über Geschichte stolpern

Veröffentlicht am 17.05.2016, 17:01

Über Geschichte stolpern

<cdl> Mösers Geschichte ist nicht unbedingt eine voller bunter Blüten, auch wenn das der Beiname „Gartenstadt“ vermuten lässt. Vielmehr durchlebten auch Möser und seine Einwohner*innen schwere Zeiten, die nicht vor Einzelnen Halt machten.
Dass die „Gartenstadt“ Möser ihren Beinamen einer Version zweier Berliner zu verdanken hat, ist vielen seit dem 100-Jährigen Bestehen im letzten Jahr bekannt. Dass die Gründer der Gartenstadt, William und Wilhelmine Hahlo, die Möser in seiner Struktur und in seinem Selbstverständnis veränderten, Opfer des Nationalsozialismus wurden, das wissen nur die Wenigsten. Sie waren Mitbürger jüdischen Glaubens, wurden deshalb bereits im Jahr 1933 enteignet und mussten 1935 wegen anhaltender Repressionen aus ihrer Traumheimat nach Österreich flüchten. Von dort wurden William und Wilhelmine Hahlo 1943 nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1944 und 1945 umkamen. Ihnen zu Ehren wurde bereits im vergangen Jahr der Platz vor dem Bürgerhaus Möser in Hahloplatz umbenannt. Nun erhielten sie noch ein persönliches Andenken vor ihrem einstigen Wohnhaus.

Was da nun in der Kastanienstraße im Sonnenschein golden schimmert, das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Grund sich zu verbeugen. Nur dann sind nämlich die Inschriften auf den beiden, dort vom Künstler Gunter Demnig, verlegten Stolpersteinen auch zu entziffern. Damit gehört Möser zu den rund 1100 Orten in Deutschland, die auf diese Art und Weise ihren einstigen jüdischen Mitbürger*innen gedenkt. 58.000 Stolpersteine in 20 Ländern hat Gunter Demnig seit 1996 verlegt und er wird nicht müde, weiter kleine Messingplatten mit Namen zu versehen, damit das Schreckliche nicht vergessen wird. Zur Verlegung der beiden Stolpersteine in Möser kamen nur eine Handvoll Einwohner*innen. Unter ihnen der Ortsbürgermeister Michael Bremer und die Initiatoren Dr. Michael Krause und Peter Hammer. Sie waren es auch, die sich als erste vor den beiden Stolpersteinen im Gedenken an die beiden Begründer der Gartenstadt verbeugten. Zuvor hatte Dr. Krause noch an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnert und gemahnt, dass die Stolpersteine gegen die Tendenzen der Ausgrenzung stehen. Für ihn sind die beiden Steine ein sichtbares Zeichen gegen Intoleranz. Für Gunter Demnig hingegen war es eine Freude, zwei unbekannte Opfer der Nationalsozialisten wieder in die Öffentlichkeit zu rücken. Er begann vor 20 Jahren illegal mit der Verlegung der Stolpersteine in Berlin. Die ersten 200 Steine fertigte er auf eigene Kosten. Heute übernimmt die Organisation und Verwaltung zur Fortführung seiner Idee eine Stiftung. 175 Euro kostet ein Stolperstein zuzüglich Spesen. Geld, das in Möser und in vielen anderen Orten allein aus privaten Spenden kommt. 

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