Von Bildern aus alten Tagen

Veröffentlicht am 30.10.2015, 10:46

Von Bildern aus alten Tagen

Beinahe jedes Jahr lädt der Schermener, Dr. Reinhardt Ritter, zu einem Lichtbildvortrag ein. Diese Tradition setzte der Historiker nun in der Gaststätte zur „Grünen Tanne“ fort. Mit seinem Lichtbildvortrag führte Dr. Ritter die 60 Gäste, die sich im großen Saal versammelt hatten, in frühere Tage zurück und versäumte es dabei nicht, mit kleinen Anekdoten die Bilderschau zu beleben. So verzichtete Dr. Ritter bewusst auf einen Geschichtsvortrag. Auch die Gäste beteiligten sich rege, wenn es darum ging Personen und Orte zu identifizieren!
Der diesjährige Lichtbildvortrag, wie Dr. Ritter seine Diashows nennt, stand ganz im Zeichen des Jubiläums der Volkssolidaritätsortsgruppe, die bereits in dieser Woche mit einem Schachturnier und anderen Veranstaltungen ihr 70-Jähiges Bestehen feierte.
„70 Jahre Schermen – Im Blickwinkel die Aktivitäten der Volkssolidarität Schermen“, so bezeichnete Dr. Ritter seinen Vortrag selbst. Viele der gezeigten Bilder stammten deshalb auch von Mitgliedern der Volkssolidaritätsortgruppe, aber auch von anderen Bürgerinnen und Bürgern der Ortschaft. Dass der Lichtbildvortrag nicht mit Bildern des Jahres 1945 begann störte dabei niemanden. Stammten doch viele der gezeigten Aufnahmen schon aus der Zeit um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts, bis über die Zeit der beiden Weltkriege und hin zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. So gliederten sich dann auch die Zeiträume. Bilder von 1900 bis 1945, 1945 bis 1990 und dann hinein bis in unsere heutige Zeit, hatte Dr. Ritter verarbeitet und entsprechend betitelt. Die Bitte um Mitarbeit bei der Identifizierung von Personen, Orten und Jahren hätte Dr. Ritter nicht einmal formulieren zu müssen, schon bei den ersten Bildern gab es Zwischenrufe, die erkennbar machten, wie emotional die Schermener mit ihrer Geschichte verbunden sind. „Das da rechts, das ist mein Vater“, oder „Da, dass müsste Frau Schoop sein“, klang es aus dieser oder jenen Ecke immer mal wieder durch den Saal. Hatte jemand viele Gesichter zu identifizieren, ließ Dr. Ritter sich den elektronischen Zeigestab auch schon einmal aus den Händen nehmen. Mit dem Laserpointer durften dann all jene, die etwas zu einem Foto beizutragen hatten, diese Informationen auch mitteilen. Wer beispielsweise kennt denn schon noch den Gasthof „zum Stern“, die Breite Straße um 1900, oder die Pappfabrik in Schermen, wohl die Wenigsten. Gut, dass es da immer den Einen gab, der einer wandelnden Chronik glich. Dr. Ritter hatte doch beinahe zu jedem Haus, zu jedem Foto die passenden historischen Daten parat. So erzählte er beispielsweise davon, dass in der alten Pappfabrik seinerzeit die einzige Dampfmaschine des Ortes betrieben wurde. Auch zu Helmut mit den glänzenden Schuhen, der sich mit seinem Ziegenbock für ein Foto präsentierte, konnte Dr. Ritter etwas berichten. Interessant wurde es immer, wenn Klassen- und Gruppenfotos an die große Leinwand projiziert wurden. Dann wurde es lauter im Saal. Jeder sprach scheinbar mit jedem. Wusste wer da wo saß oder stand. Als Dorothea Kose beispielsweise beinahe alle Namen der Schülerinnen und Schüler ihrer alten Klasse aufzählte, da fragte selbst der Ortsbürgermeister Marko Simon erstaunt „Und welche Stunde war das da gerade?“ Ohnehin gab es viel zu lachen. Meist dann, wenn sich jemand auf einem alten Foto wiedererkannte. Die jährlichen Spreewaldfahrten und die dort entstandenen Gruppenbilder auf den Kähnen beispielsweise gaben dazu immer Anlass.
Im zweiten Teil des Lichtbildabends, der nach einer kurzen Pause begann, konzentrierte sich alles auf die Volkssolidarität und ihre Aktivitäten in Schermen. Hier wurden Bilder von Busreisen und Ehrungen ebenso gezeigt, wie Einblicke in die Ausflüge der Radfahr- und Schwimmgruppen. Aber auch die Strategen der Volkssolidarität, die für Läufer und Pferde, Damen und Könige schon mal ein Bauernopfer auf dem Spielbrett bringen, durften ebenso nicht fehlen, wie die Damen, die sich mit alten Fertigkeiten beschäftigen und so in der Handarbeitsgruppe manch schönes und kunstvolles Stück erschaffen.

Zurück zur Artikelübersicht