Der Briefbomben-Streit von Schermen: Nur Provinztheater oder erbitterter Machtkampf?

Veröffentlicht am 22.07.2012, 10:20

Spaltet ein Raum die Ortschaft?

Meinungsverschiedenheiten in der Politik sind keine Seltenheit. Und eigentlich sollten alle Beteiligten bemüht sein, einen  tragfähigen Kompromiss zu finden, mit dem alle Betroffenen leben können. Beim sogenannten "Briefbomben-Streit" von Schermen ist eine einvernehmlich Lösung aber in immer weitere Ferne gerückt und eine friedliche Beilegung des Streits scheint ausgeschlossen.
Im Gegenteil:Die Ausseinandersetzung um ein Zimmer für den neuen Dorfchronisten Dr. Reiner Ritter erreicht Dimensionen, die die ganze Ortschaft spalten könnten. 

Vorhang auf:

Erster Akt. Erinnern wir uns: Am 31. Mai 2012 berichtete www.gemeinde-moeser.de über hitzige Debatten um einen Brief von Ortsbürger Heinrich Bartels an die Vorsitzende des Vereins "Bürgergemeinschaft e.V.", Eveline Lüderitz. Mit harten Worten forderte der Politiker den Verein ultimativ zur Räumung eines Raumes im Gemeindehaus, den der Verein seit Jahren nutzt, auf. Das Schreiben endete mit den Worten: "Falls die Räumung bis zu dem angegegeben Zeitpunkt nicht erfolgt, werde ich eine Fachfirma mit der Räumung auf Vereinskosten beauftragen und die Gegenstände auch auf Vereinskosten einlagern lassen. Weitere Gespräche in dieser Angelegenheit werde ich nicht führen."
Dieser Brief sorgte damals in der Mai-Sitzung des Ortschaftsrates für heftige Debatten. Nach langem hin und her einigten sich die gewählten politischen Vertreter des Ortsteils darauf, dass der Brief für null und nichtig erklärt wird. Und, in offiziellen Gesprächen sollte nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht werden.

In sieben Wochen keine Zeit für Gespräche

Zweiter Akt. Das war vor sieben Wochen. Wer nun dachte, in dieser Zeit sei es zu den besagten "offiziellen Gesprächen" gekommen, wurde eines Besseren belehrt. Scheinbar war die Zeitspanne für die Politiker doch zu kurz.. Auch inoffizielle Gespräche über andere Räumlichkeiten führten zu keinem Ergebnis, da der Verein – aus vielerelei Gründen – nicht umziehen will.

Doch natürlich reagierte auch die Bürgermeinschaft auf den zurückgenommenen Brief des Bürgermeisters und die nicht stattgefundenen Gespräche (gegen die Zwangsräumung hatte der Verein vorsorglich am 30. Mai "form- und fristgerecht Widerspruch eingelegt"): 
Die Bürgergemeinschaft e.V. legte den Ortsräten am 17. Juli einen Brief vor. In dem Schreiben machten die Mitglieder deutlich, dass sie den Raum nicht zur Verfügung stellen: "Die Mitglieder haben festgestellt, dass sie sich seit 14 Jahren aktiv und erfolgreich für das kulturelle Leben einbringen. Von Anbeginn hat sie diesen Raum, den Boden und den Raum für die Heimatstube zugewiesen bekommen und aktiv genutzt und gepflegt. Dieser Zustand wurde von keiner Seite jemals in Frage gestellt. Mit Verwunderung und Enttäuschung nehmen die Mitglieder zur Kenntnis, dass dies nun anders werden soll. Die Bürgergemeinschaft ist nicht einverstanden, dass in dieser Form mit ihnen umgegangen wird..."

Entrüstung mit Geschmäckle

Als Konsequenz machte die Bürgergemeinschaft deutlich, dass sich bei Wegnahme des Raumes, der Verein auflösen und die Heimatstube geräumt wird. Allerdings schlug die Bürgergemeinschaft in dem Brief auch Kompromisse vor: "Der Ortschronist oder der Ortsbürgermeister könnten jeweils den Raum der Bürgergemeinschaft mit nutzen" oder "der Ortsbürgermeister und der Chronist nutzen den Raum des Ortsbürgermeisters gemeinsam."
Auf letzteren Vorschlag reagierte Heinrich Bartels in der Sitzung mit den Worten: "Da sieht man mal, wie meine Arbeit geschätzt wird..."
Das klang natürlich entrüstet, bekommt aber ein Geschmäckle, wenn er dann von Ortschaftsratsmitglied Arno Djaschi öffentlich daran erinnert wird, dass in einem gemeinsamen Telfonat über diesen Punkt gesprochen wurde und "erinnere Dich Heinrich, Du doch garnicht so abgeneigt warst..."

Dritter Akt. Überhaupt Arno Djaschi: Während sich zahlreiche Ratsmitglieder ob des Briefes vom Bürgerverein "erpresst und überfahren fühlten" (warum eigentlich, wenn sich in der Angelegenheit offiziell sieben Wochen nichts getan hat?), wertete Arno Djaschi den Brief als offiziellen Standpunkt. Er kämpfte vehemement für den Verein und beantragte einen namentliche Abstimmung darüber,  ob der Verein den Raum behalten könne. Doch dem wollten die Räte offensichtlich so nicht folgen: Sie rieten, nicht zu übertreiben und ruhig zu bleiben, schließlich sei doch nichts passiert und der Raum immer noch im Besitz der Bürgergemeinschaft. Auch als Bürgermeister Heinrich Bartels die Auseinandersetzung um den Raum zu einem Machtkampf zwischen ihm und der Vereinsvorsitzenden hochstilisierte, rieten andere dazu, den Vereinsvorschlag (mögliche Raumaufteilung) ruhig und sachlich zu diskutieren. Ende vom Lied: Eine Entscheidung wurde nicht getroffen, ein Ende des Streites nicht in Sicht und niemand weiß, ob die Bürgergemeinschaft den Raum behält oder nicht.

Im Gespräch  mit www.gemeinde-moeser.de bekräftigte Eveline Lüderitz noch einmal: "Der Verein ist nicht mehr bereit, sich weitere Knüppel zwischen die Beine werfen zu lassen. Wir werden den Raum behalten. Wenn nicht, lösen wir uns auf. Darüber sind wir uns alle einig." Sie betonte allerdings auch, dass dem Verein dieser Entschluss nicht leichtgefallen sei: "Wir haben seit 14 Jahren aktiv das Gemeinschaftsleben im Dorf mitgestaltet und uns mit großem Engagement für Schermen eingesetzt. So etwas gibt niemand gerne leichtfertigt auf. Aber vielleicht können sich die Räte auch einmal in unsere Lage versetzen und urteilen dann etwas anders. "

Gespanntes Warten auf die nächste Sitzung

Übrigens: In anderen Ortsteilen und Gemeinden gibt es keine Probleme zwischen Politik und Heimatverein. In Lostau zum Beispiel hält der Ortsbürgermeister seine Sprechstunden mitten in der Heimatstube des Heimatvereins und niemand hat ein Problem damit.…
Übrigens: In Schermen freuen sich schon viele auf die nächste Sitzung im Gemeindehaus. Neben den Vereinsmitgliedern der Bürgergemeinschaft wollen auch Unbeteiligte kommen und sich die Fortsetzung der Schermener Provinzposse (das sehen mittlerweile auch viele Ratsmitglieder so) nicht entgehen lassen. Und wir von www.gemeinde-moeser.de werden selbstverständlich auch weiter berichten. Hoffentlich von einem, guten Ende für alle Beteiligten. Im Theater gibt es ja auch hin und wieder ein Happy End…

 

 

 

 

 

 

 

 

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